Poesie im Elbsandstein

Das dachten vor 250 Jahren zwei Schweizer Maler, die an der Dresdner Kunstakademie lehrten. Bizarre formen an idyllischen Orten, auf Bildern für die Ewigkeit festgehalten, lösten einen nie da gewesenen Reiseboom aus. Während der Kriegswirren Anfang des 20. Jahrhunderts ebbte die Reiselust ab. Nach vielen Jahren des Schlafens erlebt das Elbsandsteingebirge eine Renaissance.

Die Kunst der fünf Elemente

Vor 100 Millionen Jahren ist das Kreidemeer aus dieser Region zurückgewichen. Übrig blieb eine fast 600 Meter dicke Sandsteinplatte. Fünf Elemente des Lebens bearbeiteten diese kunstvoll. Und das tun sie auch noch heute. Wasser, Luft, Feuer und Erde frästen und formten über Jahrmillionen den Sandsteinrohling. Den künstlerischen Schliff nennen wir heute „Das Elbsandsteingebirge“.

Die Menschen als fünftes Element hinterlassen erst seit ein paar tausend Jahren ihre Spuren. Bekannt ist die bronzezeitliche Siedlung am Pfaffenstein. Im Mittelalter kamen Felsenburgen, Burgwarten und Burgen hinzu. In den Waldgebieten wurde Holz geschlagen, in Wehlen und Krippen Stein gebrochen und im Bielatal Eisen geschmolzen.

Dann kommen Ende des 18. Jahrhunderts die beiden Schweizer Maler Adrian Zingg und Anton Graff. Sie zeichnen diese Landschaften und verschicken die Bilder in ihre Heimat. Damit beginnt der Tourismus. Gut betuchte, wandern zu den Orten, an denen die Bilder entstanden. Getrieben von der Sehnsucht nach romantisch anmutenden Blicken.

Dabei ist der Weg im 18. Und 19. Jahrhundert noch sehr beschwerlich. Er beginnt in Pillnitz ohne ausgebautes Straßen- und Wegenetz. Ab hier ist ein Weiterkommen nur noch zu Fuß, ausgerüstet mit Trägern und Führern in Richtung Liebethal, Lohmen, Wehlener Gründe, Bastei, Schandau, dem Kuhstall bis zum Prebischtor möglich.

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Dieser Weg geht als historischen Malerweg ein. Nur das Prebischtor befindet sich heute in der Böhmischen Schweiz und wird im neuen Malerweg nicht besucht.

Neben der Böhmischen Schweiz wird auch der Name Sächsische Schweiz verwendet. Beide Felsregionen bilden zusammen das Elbsandsteingebirge. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Bezeichnungen Sächsische Schweiz und Böhmische Schweiz auf die anfangs erwähnten Schweizer Maler Zingg und Graff zurückzuführen.

Bilder des Felsengebirges werden seither in aller Herrgottsländer verschickt. Sie lösten einen wahrhaften Reiseboom in das Elbsandsteingebirge aus. Damit beginnen auch die tief greifende Veränderungen durch den Menschen in diesem sensiblen Felsengebirge.

Geschichten im Elbsandsteingebirge

In Reiseführern und Landkarten erhalten Felsen, Berge und Orte teils unverständliche Namen. Dahinter verbergen sich oftmals Geschichten und Legenden. Viele davon sind heute in Vergessenheit geraten.

Im Brandgebiet stehen die Hafersäcke mit einer unmissverständlichen Formgebung. Hingegen lässt die Barbarine, eine 45 m hohe Felsnadel am Pfaffenstein keine Rückschlüsse auf die Namensgebung erkennen.

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Beeindruckt werden Wanderer auf dem Malerweg vom Felsentor im Uttewalder Grund. Die Legenden über diesen Grund und dem Felsbrocken reichen zurück, bis in die Zeit der Kreuzzüge.

Der Aufstieg auf den Winterstein, auch „Hinteres Raubschloss“ genannt, erinnert kaum noch an eine Felsenburg. Dennoch ist er ein Stück mittelalterliche Geschichte zum Anfassen.

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Aber gerade diese Geschichten sind es, die das künstlerische Ensemble dieses Felsengebirges vollenden. Mit solchen Geschichten im Wandergepäck erlebt ihr weit mehr als den Kick auf idyllischen Steigen und Stiegen.

Urlaubsregion Sächsische Schweiz

In den letzten Jahren haben sich die bizarren Schönheiten der Sächsisch-Böhmischen Schweiz auch in den alten Bundesländern herumgesprochen. Die Besucherzahlen sind erheblich angestiegen. Angebote für Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Stellflächen für Camper und Zeltplätze wachsen nicht mit.

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Nicht übel nehmen, ich finde das gut so. Oder wie würdet ihr es finden? Wenn ein übermäßiges Angebot an Unterkünften zu einem überproportionalen Ansteigen der Besucher auf den Wanderwegen führt. Sicherlich nicht gut.

Im Winter sollten wir dem Gebirge etwas Ruhe gönnen. Damit kann sich die Natur vom sommerlichen Besucheransturm erholen. Die sensiblen Wege verschlammen nicht in der nassen Jahreszeit.

An welchen Orten Übernachten

Beliebte Übernachtungen findet ihr an Verkehrsknotenpunkten. An der Elbe verkehrt die S-Bahn zwischen Dresden, Pirna und Schöna. Jede S-Bahn-Station zwischen Pirna und Schmilka bietet einen hervorragenden Ausgangspunkt für Wanderungen via S-Bahn. Parkplätze solltet ihr nicht an den Bahnhöfen erwarten. Besser ist es, wenn ihr die Bahnhöfe zu Fuß zu erreicht.

Ein besonders guter Urlaubsstandort ist Bad Schandau. Am Elbkay befindet sich zusätzlich zur S-Bahn ein Busbahnhof mit attraktiven Verbindungen. Und ein paar hundert Meter entfernt, fährt die Kirnitzschtalbahn zum Lichtenhainer Wasserfall.

Mein Tipp: Klar, Unterkünfte sind für die beliebtesten Reisezeiten schnell ausgebucht. Das heißt, entweder sehr zeitig buchen. Oder, auf abgelegene Unterkünfte ausweichen. Interessant sind diese für diejenigen, die etwas dem Touristentrubel fernbleiben wollen. Ein Auto ist dann auf jedem Fall erforderlich.

Nicht zu vergessen, sind die von verschiedenen Reiseveranstaltern angebotenen geführten Wanderreisen mit unterschiedlichen Charakteren. Ebenfalls werden Wanderprogramme für individuell Reisende angeboten. Achtet dabei auf den Gepäcktransport.

Natürlich darf auch ihr Liebling mit.

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Denkt aber bitte daran, dass ihr eure Hunde vor den unkontrollierten Handlungen der Nichthundebesitzer schützt. Und dass nicht jede Tour für euren Liebling geeignet ist. Auf manchen Wegen muss man als Wanderer beide Hände aus den Taschen nehmen, um weiter zu kommen.

Herzstück – Malerweg

Paradoxerweise befinden sich die meisten Originale, der vor über 200 Jahren gemalten Bilder nicht in Dresden oder in der Sächsischen Schweiz. Viele dieser wurden in die Heimat der Maler mitgenommen oder wie bei Zingg und Graff in die Heimat geschickt.

Am Malerweg befinden sich Kopien mit Beschreibungen. Der neue Malerweg führt nur teilweise über historische Wege. Änderungen sind erforderlich gewesen. Denn einige dieser historischen Wege sind heute Wanderfrust auslösende Straßen. Und die An- und Abreise ist in Pirna. Heute das Tor zum Elbsandsteingebirge.

Während der acht Etappen werden 112 km zurückgelegt. Gewandert wird individuell im eigenen Tempo und nur mit Tagesgepäck. Abends ist auch ihr Hauptgepäck in der nächsten Unterkunft. Viele Wanderer nutzen die attraktiven Angebote für den Malerweg.

Auch wenn der höchste Berg der Sächsischen Schweiz nur 560 m hoch ist, sollte die Wandertour nicht unterschätzt werden. Täglich steigt ihr mehrmals steil bergan, sodass ihr, während dieser achttägigen Wanderreise etwa 4000 Höhenmeter überwindet. Mit anderen Worten, ein bisschen Kondition ist notwendig.

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Mein Fazit

  • Urlaub im Elbsandsteingebirge früh planen und früh buchen. Wer zu Letzt kommt, den beißen die Hunde. Und das im wahrsten Sinn des Wortes!
  • Die Sächsisch-Böhmische Schweiz lernt man nicht in einem Urlaub kennen. Für Unentschlossene gibt es ein Schnupperangebot.
  • Das Herzstück für Vollblutwanderer ist der Malerweg.
  • Für Alleinreisende werden Standortreisen für Kleingruppenreisen angeboten, allerdings nicht die Malerwegrunde. Angebote bitte erfragen.
  • Spannend wird es für Kinder ab 8 Jahren. Warum erst ab 8, weil Kinder ab diesem Alter viele der Schwierigkeiten eigenständig bewältigen können.
  • Hundebesitzer mit Ambitionen für Bergwandern kommen mit etwas Vorbereitung auf ihre Kosten.
  • Auch der Malerweg ist mit Hund möglich.
  • Das ist für euch alles noch zu wenig? Dann lass euch von Carl Maria von Weber durch die romantische Oper „Der Freischütz“ inspirieren. Wie und welche Geschichte dahinter steckt erfahrt ihr im folgenden Blogartikel
  • Eines liegt mir noch persönlich am Herzen: Bitte nehmt eine Plastetüte mit auf eure Wanderungen. Damit Abfälle in Abfalleimer gelangen und nicht an den Wegrändern liegen bleiben. Ich meine auch die Zellstofftaschentücher.

Ich hoffe, euch jetzt etwas neugierig auf die Sächsische Schweiz gemacht zu haben. Wer sie sich nicht einmal im Leben aus der Nähe betrachtet, hat echt etwas verpasst.

Und, habt ihr schon Pläne für die Sächsische Schweiz?

Oder habt ihr Fragen? Dann fragt doch einfach nach.

Ich bin auch zu finden unter:
Facebook: Online Reisebüro Ehrlich
Twitter: @PetersReiseTipp

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